Antijagdtraining

Den hundlichen Jagdtrieb kann man nicht gĂ€nzlich unterbinden, bestenfalls kontrollieren, aber auch das gelang mir heute Morgen nicht, als ich mit Cosmo auf einem langen Lauf unterwegs war. Wir starteten um 7:45 Uhr bei fantastischem Laufwetter, der Himmel war klar und blau, mit 8°C herrschten ideale Bedingungen fĂŒr diesen Lauf. Auf den ersten zwei Kilometern durfte Cosmo im ĂŒbersichtlichen GelĂ€nde mit Wiesen, Äckern und einigen Maisfeldern freilaufen. Er wirkte sehr aktiv und setzte zielstrebig seine Nase ein, es ging ĂŒber das ĂŒbliche „Hundezeitung lesen“ hinaus, er witterte etwas, doch es war weit und breit kein Wild in Sicht. Dennoch, zweimal startete er kurz durch, aber es waren nur dunkle Erdklumpen auf einer Wiese, die seinen Jagdtrieb geweckt hatten. Ich blieb entspannt, weil ich selbst ohne Brille erkannt hatte, das es nichts zum Jagen gab, vorerst! Als wir am Maisfeld vorbeiliefen, signalisierte Cosmo eindeutig mittels Körpersprache, angehobene Nase, durchgespannter Körper, dass es hier besonders gut riecht. SpĂ€testens zu diesem Zeitpunkt hĂ€tte ich ihn anleinen mĂŒssen, was ich nicht tat. Im nĂ€chsten Augenblick wurde dies bestraft, Cosmo folgte seinem Jagdinstinkt, wĂ€hrend ich in Gedanken versunken war. Zu spĂ€t, Rufen war jetzt zwecklos, so gut kenne ich meinen Hund, er spurtete bis zum Ende des Maisfeldes, bog zielstrebig rechts um das Maisfeld herum ab und verschwand aus meinem Sichtfeld. Als ich ebenfalls das Ende des Maisfeldes erreichte, war Cosmo bereits ca. 100 m entfernt, diesmal waren nicht Erdklumpen sein Ziel, sondern er war einem Reh dicht auf den Fersen. Die Ricke flĂŒchtete am Ende des Ackers in eine angrenzende Feldholzinsel . Cosmo stoppte, zögerte kurz und verschwand wenige Sekunden spĂ€ter ebenfalls in der Feldholzinsel, um seine Jagd fortzusetzen.
Ich nutze die Gelegenheit, meinen Kaffee los zu werden, und bevor der letzte Tropfen das Gras erreichte, kam Cosmo so schnell zurĂŒck wie er verschwunden war, dem Universum sei Dank!
Erleichtert und kommentarlos leinte ich Cosmo an, es war meine Schuld, nicht seine, dennoch, Freilauf war hiermit beendet.
Kurze Zeit spĂ€ter hatten wir zum zweiten Mal Wildkontakt, 2 Rehe kreuzten in ca. 50 Metern Entfernung unseren Weg. Cosmo zog unvermittelt wie ein Irrer an der Leine. Mit einem energischen „Stopp“ ließ ich ihn anhalten, nur widerwillig und mit seinem Blick die beiden flĂŒchtenden Rehe fixiert blieb Cosmo stehen.
Ich unterbrach kurz den Lauf, baute ich ein paar Gehorsams- und AufmerksamkeitsĂŒbungen ein, das wirkte, er folgte wieder anstandslos an lockerer Leine, das nenne ich effektives Lauf-/Hundetraining. Kurz bevor wir die Hauptstraße von Frankenberg nach Somplar in Höhe „Schwarzer Weg“ ĂŒberquerten, hatten wir zum dritten und letzten Mal Wildkontakt, 3 Rehe freistehend auf einer Wiese. Diesmal blieb die Leine locker, die kurze Hundeschule zeigte Wirkung, und wĂ€hrend wir die Straße ĂŒberquerten, flĂŒchteten die Rehe in den Wald.
Ich hatte fĂŒr diesen Lauf bewusst nur die Richtung und die ungefĂ€hre Distanz geplant, um der Monotonie von Anfang an den Wind aus den Segeln zu nehmen. Diese Strategie erwies sich als richtig, ich baute Streckenabschnitte durch unwegsames, urwaldĂ€hnliches GelĂ€nde ein, und verlor dadurch das GefĂŒhl fĂŒr Distanz und Zeit, Spaßlaufen pur! Nach ca. 10 km erreichte ich einen Betriebszustand, in dem ich gefĂŒhlt unendlich hĂ€tte weiterlaufen können. Ganz so war es dann doch nicht, denn als wir aus dem geschĂŒtzten schattigen Wald in die knallende Sonne wechselten, waren Cosmo und ich erleichtert, den grĂ¶ĂŸten Teil der Strecke hinter uns gelassen zu haben. Nach knapp 18 Kilometern erreichten wir hungrig die HaustĂŒr.

Run : 17,5 km / 1:45 Std / Þ 6:03 Min/km / Þ 69 % HFmax / +271  Hm / GA1

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