Am Berg geschwächelt

Ich bin auf dem Rad sicher nicht der beste Kletterer, aber bisher bin ich noch überall hochgekommen! Beim Duathlon in Zofingen sind einige bissige Anstiege zu bewältigen, so um die 18 % Steigung. Darauf möchte ich vorbereitet sein und deshalb habe ich mir hier in der Gegend diverse Strecken mit vergleichbaren Rampen ausgesucht.

Vorgestern nahm ich mir bei dem schönen Wetter spontan einen halben Tag Urlaub, um den ca. 1,7 km langen Anstieg zum Hof Karlsburg bei Alertshausen zu testen.

Dazu hatte ich mein Rennrad mit Kompaktkurbel (Kettenblatt 50/34, 11-28 Kassette) einige Tage vorher startklar gemacht und die Sommerreifen aufgezogen. Als ich am Mittwoch Nachmittag losfahren wollte, war das Hinterrad leider platt. Obwohl es für einen Radfahrer ein Kinderspiel sein sollte, den Schlauch schnell zu wechseln, war ich zu faul dazu und nahm stattdessen mein Triathlonrad, welches ich seit letztem September nur indoor auf der Rolle benutzt habe. Im Nachhinein war das sogar die richtige Entscheidung, denn mit diesem Bike werde ich Zofingen fahren und es stellt sich die Frage, ob die montierten Kettenblätter/Ritzel (52/36 – 11-28) dafür – Trainingsstand heute – geeignet sind.

Es war zunächst ein komisches Gefühl nach 6 Monaten zum ersten Mal draußen auf dem Tribike zu fahren, eine völlig andere Sitzposition als auf meinen anderen Fahrrädern. Erschwerend kam hinzu, dass ich meinen neuen Radrucksack dabei hatte und dieser in Aeroposition den Bewegungsspielraum im Nacken einschränkte. Aber bereits nach kurzer Zeit lösten sich diese kleinen Unzulänglichkeiten in Luft auf. Mit kontrollierter Kraft pedalierte ich mich in Aeroposition in einen Hauch von Geschwindigkeitsrausch, der dann aber leider am ersten Anstieg schon wieder beendet war.

Bereits die Anstiege nach Dodenau und Elsoff mit ca. 10% Steigung ließen mich erahnen, dass „Alertshausen“ kein Zuckerschlecken werden würde. Ein Arbeitskollege hat mir diesen Anstieg empfohlen, fährt diesen selbst regelmäßig mit 34/32 Übersetzung und bezeichnet ihn als sehr schwer.

Hier ein Blick vom Wolpfad auf der Höhe zwischen Elsoff und Dodenau :

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Wenige Kilometer nach Elsoff fährt man in Alertshausen ein.

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Die Ortsdurchfahrt ist flach, doch wenn man nach rechts schaut, sieht man bereits die Hügel, hinter denen sich Hof Karlsburg und Dachsloch verbergen. Am Ortsausgang erreiche ich mein Ziel – den Anstieg –  biege rechts ab, schalte aufs kleine Kettenblatt und nach und nach bis aufs größte Ritzel, welches hoffentlich als Rettungsring ausreicht. Zu Beginn ist es kein Problem, doch Meter um Meter offenbart sich die steile Rampe vor mir – mit teilweise 22% Steigung – als echte Herausforderung. Ich bleibe zunächst im Sattel und kurbel mich mit aller Beinkraft aufwärts, der Puls steigt und auch der untere Rücken kommt spürbar zum Einsatz und zwingt mich mehrfach dazu, ihn zu entlasten und im Wiegetritt zu fahren. An den steilsten Passagen komme ich kaum vorwärts, fahre teilweise Schlangenlinien, um überhaupt im Sattel zu bleiben. Laktat schießt zunehmend in die Oberschenkel, gleichzeitig Schnappatmung und bei ca. 2/3 des Anstieges erreiche ich meine Belastungsgrenze und halte widerwillig an. Nach ca. 2 Minuten Erholungspause bezwinge ich das letzte Drittel und erwarte sehsüchtig die vom Arbeitskollegen angekündigte Bank am Ende des Hügels.

Geschafft – da steht sie!

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zurückblickend :

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vorausschauend : rechts Hof Karlsburg, links geht’s zum Dachsloch und abwärts ins Tal

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Das war das erste Mal, seit ich Rad fahre, dass ich einen Anstieg nicht in einem Rutsch bezwinge und anhalten muss. Aber irgendwann ist immer das erste Mal und für mich ist klar : ich werde in den nächsten Monaten fleißig trainieren, vor allem Hügel und ich werde mir eine Kassette mit 32er Ritzel montieren, sicher ist sicher!

Auch heimwärts nahm ich noch einige Hügel mit, teilweise mit Vollgas, um bei den entsprechenden Strava Segmenten in der Rangliste etwas nach vorn zu rutschen – Egobefriedigung – typisch Mann halt!

Nach 65 km – ca. 800 Höhenmetern – 2:50 h war ich mit dicken Beinen wieder zu Hause, herrlich!

https://connect.garmin.com/modern/profile/TriSportImi

0 Kommentare bei „Am Berg geschwächelt“

  1. Nadine (jazzpaula) sagt: Antworten

    Wow Imi, das waren sicher knackige Anstiege und dennoch denke ich Du kannst zufrieden sein, beim nächsten Mal packst Du den Rest auch noch. Sehr schöne Bilder, lässt sich sicher auch prima laufen.

    LG
    Nadine

    1. Hi Nadine, ja das waren schöne knackige Anstiege, beim nächsten Mal schaffe ich hoffentlich 100%. Zum Laufen ist die Gegend sicher auch gut geeignet, aber da habe ich bei mir vor der Haustür genug andere Möglichkeiten.

  2. Nadine (jazzpaula) sagt: Antworten

    Ich lauf auch lieber vor der Haustüre los, gibt so schöne Wege 🙂

  3. Bevor du deine Maschine umbaust, starte die Tour doch erstmal mit deinem normalen Rennrad. Wenn du schnell fahren möchtest – und dafür ist so ein Rad wohl gebaut – ist ein größeres Ritzel am TT Bike wohl ungeeignet. Noch dazu leidet die Ästhetik 😉

    Krichi (der solche Anstiege nicht mal wandernd erklimmt)

    1. Zofingen hat beides kurze, steile Rampen und lange Bergabpassagen, deshalb ist man mit einem Tribike definitiv im Vorteil gegenüber einem Rennrad. Ich könnte 50/34 Kettenblätter ans Tribike schrauben, 50-11 ist aber bergab zu klein, deshalb besser hinten eine 32-11er Kassette! Damit bin ich universal, Optik ist mir egal!

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