300 km Brevet Ostfalen – kurzweilige Harzumrundung

Etwa 30 Randonneure starten – fast pĂŒnktlich – von Hartmuts Hof, um den Harz entgegen den Uhrzeigersinn zu umrunden.

Ich war wieder mit meinem voll bepackten Specialized Sequoia Elite am Start.

Gleich an der ersten großen Kreuzung bricht das Feld auseinander und teilt sich in 2 Gruppen auf. Ich husche als Schlusslicht der ersten Gruppe noch schnell ĂŒber die Straße und versuche Anschluß zu halten. Doch das Tempo ist mir zu hoch und ich lasse abreißen. Ich will nicht gleich zu Beginn unnötig Körner verballern.

Ausgeruht und gut gelaunt radle ich allein bis zur ersten Kontrolle. Etwa 75 km sind nach knapp unter 3 Stunden im Sack. Wie auch beim 200er Brevet eine Woche zuvor ist der 300er eine ĂŒberwiegend flache Rollerstrecke mit langen Geraden, vielen kleinen Wellen und wenigen steilen Anstiegen.

An der Tankstelle in Seesen treffe ich die meisten der ersten Gruppe wieder. Die schnellsten sind bereits unterwegs zur 2.Kontrolle in Berga.

Ich hole mir nur den Stempel ab, fĂŒlle meine WasservorrĂ€te auf und fahre weiter, allein. Verpflegung habe ich komplett an Bord, Tockenobst und WalnĂŒsse. Eine gute Entscheidung! Etwa alle halbe Stunde nasche ich davon und zwar aus einem Food Pouch von Apidura, der direkt am Lenker befestigt ist. Mit dieser Strategie hatte ich bis zum Schluß – zu keinem Zeitpunkt – weder ein Hunger- noch ein VöllegefĂŒhl und ĂŒberraschend gute Beine ohne ErmĂŒdungserscheinungen.

Etwa 15 km nach der ersten Kontrolle ĂŒberholt mich eine 6er Gruppe und lĂ€dt mich zur Mitfahrt ein! So ein nettes Angebot nehme ich gerne an und rolle im Windschatten mit. Das Tempo passt gut und die Jungs sind nett. Perfekt! Danke!!!

Um es vorwegzunehmen, bis auf einen Randonneur fuhren wir die restlichen 220 km zusammen. Das war richtig gutes Teamwork! Egal ob jemand pinkeln musste, einen Platten hatte, oder an den Anstiegen nicht folgen konnte, es wurde gewartet, bis alle wieder an Bord waren.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich selten vorn gefahren bin. Ok, ich fahre so gut wie nie in einer Gruppe und ohne Geschwndigkeits/-Pulsanzeige fehlte mir das TempogefĂŒhl. Ungewollt verschĂ€rfte ich das Tempo und wurde zurĂŒckgepfiffen.
Aber ich habe definitiv Geschmack daran gefunden, regelmĂ€ĂŸiger in einer Gruppe mitzufahren. Die beiden, die meistens im Wind fuhren, hatten das wesentlich besser drauf als ich. Wie gut synchronisierte Dieselmotoren hielten sie die Gruppe dicht zusammen.

Das Wetter war ĂŒberwiegend gut! Kurze Regenschauer, ein Gewitter und etwas Hagel veranlassten uns, 3 mal Schutz zu suchen, in einer Garage, an einer Bushaltestelle und unter einem Baum.

 

Ansonsten konnte niemand und nichts unseren 6er Zug aufhalten, nicht einmal  der aggressive SchĂ€ferhund, der plötzlich auf die Straße stĂŒrmte und uns verfolgte. Durch lautes Schreien ließ er sich einschĂŒchtern, solange bis am anderen Ende – der zu langen Leine – sein völlig ĂŒberfordertes Herrchen aus einem GebĂŒsch zum Vorschein kam und ihn unter Kontrolle brachte.

Mit Einbruch der Dunkelheit verliere ich die Wahrnehmung fĂŒr die Umgebung und konzentriere mich nur noch auf das Hinterrad meines Vordermannes. Das Ziel rĂŒckt in greifbare NĂ€he. Mit RĂŒckenwind und leichtem GefĂ€lle fliegen die letzten 20 Kilometer nur so dahin. Bei mir kommen zu diesem Zeitpunkt bereits GlĂŒcksgefĂŒhle und tiefe Zufriedenheit auf. Nach knapp unter 14 Stunden Gesamtzeit sind wir zurĂŒck, lassen uns den letzten Stempel verpassen und wĂ€rmen und laben uns in Hartmuts Stube.

Danke an die Gruppe und Danke an Hartmut fĂŒr die gute Organisation und Bewirtung!

Mein persönliches Fazit: keine Sitzprobleme dank Selle Anatomica X-Series Sattel, gute Beine und Vorfreude auf das 400er Brevet in 3 Wochen.

Hier noch ein paar Bikefotos der liegenden Fraktion:

4 Kommentare bei „300 km Brevet Ostfalen – kurzweilige Harzumrundung“

  1. Toller Bericht!!! Wir sehen uns wahrscheinlich beim 400km wieder!
    Gruß
    Gui

    1. Danke! Ich wĂŒrde mich freuen, wenn Du beim 400er an Bord bist. Evtl findet sich wieder eine homogene Gruppe. Die 400er Strecke ist landschaftlich sehr schön und hat mehr Höhenmeter, ca. 3500 Hm auf 400 km. Vielleicht brauchst Du dann auch mal dein kleines Kettenblatt!😉

  2. Fein! Und sicher braucht Gui dann auch das kleine Blatt;-) Bei den Ostfalen bin ich erst im nĂ€chsten Jahr wieder dabei. Hat Spaß gemacht mit euch!

  3. Gui Haberland sagt: Antworten

    Hallo zusammen,
    Schade, ich wollte das kleine Blatt abschrauben um Gewicht zu sparen 😉
    Spaß beiseite, es war wirklich schön mit euch.
    Werde alles tun um bei den 400 dabei zu sein. (Regierung muss noch zustimmen)
    Holger, wir werden dich vermissen.
    Imi, Du muss dann als „Frontman“ einspringen 😉

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