1.Etappe Eiserner Vorhang : Frankenberg – Eisenach

Um 6:39 Uhr verabschiede ich mich von meiner Liebsten. 110 kg stehen am Start. 33 kg wiegt mein voll bepacktes Sequoia, die restlichen 77 kg bringe ich selbst auf die Waage.

Das Wetter ist perfekt! Trocken, sonnig, nicht zu warm, zumindest noch nicht um diese Uhrzeit. So richtig kann ich es nicht glauben, dass ich ca. die nÀchsten 10 Tage allein mit dem Rad unterwegs sein werde. Aber ich freue mich drauf!

Die ersten 38 km bis zum Edersee kenne ich gut, Heimrevier, danach kommt radfahrerisches Neuland. Das heutige Streckenprofil ist noch relativ einfach. Ein paar lĂ€ngere Anstiege und wenige steile Rampen (mit einer Ausnahme) sind mit dem 33 kg Stahlross kein Problem. Der Rest ist flach. Hier sind die 22 kg GepĂ€ck kaum spĂŒrbar. Das wird sich aber ab morgen Ă€ndern. Der Rennsteig lĂ€ĂŸt grĂŒĂŸen!

Bis auf wenige Ausnahmen hat das Webtool „brouter“ ein tolle Strecke berechnet und ausgespuckt, die ich nicht nachbesssern musste. Start und Ziel angeklickt, fertig war die Route bis Eisenach. Nur die B253 zwischen RhĂŒnda und Harle ist zur Zeit gesperrt und abgefrĂ€st. Die Bauarbeiter lassen mich aber zĂ€hneknirschend passieren.

Ansonsten ist die Route zu etwa 95% asphaltiert. Aber auch auf den geschotterten Radwegen an der Eder und der Werra kam ich mit den 42er Reifen zĂŒgig und komfortabel voran.

Bereits heute war ich auf einem kurzen StĂŒck der ehemaligen Grenze zur DDR unterwegs. Ein original erhaltener Kolonnenweg aus fiesen Lochplatten zwischen Untersuhl und Gerstungen. Eine echte Herausforderung fĂŒr mich (Slalom fahren) und eine Belastungsprobe fĂŒr mein Sequoia!

Auf den holprigen Grenzweg folgt der gut ausgebaute und landschaftlich sehr reizvolle Werratal Radweg. Hier gönne ich mir ein PÀuschen und stille meinen BÀrenhunger mit den letzten beiden Stullen von zu Hause. WÀhrenddessen gesellt sich jemand zu mir und bestaunt mein Sequoia.

Etwa 12 km vor Eisenach bestaune ich die Wartburg bereits aus der Ferne. Ein Foto mache ich nicht. Ich will eins aus nĂ€chster NĂ€he haben. Aber daraus wird nichts. Die Anfahrt hoch zu Wartburg ist eine elende QuĂ€lerei, denn mein Track fĂŒhrt mich auf einem ĂŒber 20% steilen Wanderpfad auf kĂŒrzestem Weg durch den Wald zur Wartburg. An Hochfahren war nicht zu denken, ich muss schieben, und selbst das war mega anstrengend. Kein Wunder, oder selbst Schuld bei dem Gewicht!

Da bin ich nun endlich oben und darf nicht rein! Der ParkwĂ€chter bittet mich, mein Rad außerhalb der Wartburg an einen Zaun abzustellen und zu Fuß weiter zu gehen. Ich lass doch mein Rad mit dem ganzen Equipment nicht unbeaufsichtigt irgendwo stehen. Niemals!

Was solls, ich rolle wieder ins Tal nach Eisenach und suche mir ein Quartier. Im Luther Hotel „Eisenacher Hof“ ist noch ein einziges Einzelzimmer frei. Nicht gerade billig, jedoch habe ich keine Lust mehr, eine gĂŒnstigere Bleibe zu suchen. 10 € lĂ€sst sich die nette Dame an der Rezeption runterhandeln.

Da bin ich nun und genieße nach ĂŒppigem Abendmahl und zwei Hefeweizen meinen ersten Urlaubstag. Phantastisch!

157 km / 1216 Hm / 21,1 km/h

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