4. Etappe „Eiserner Vorhang“ von Hof (Saale) nach Bad Steben

Nach dem FrĂŒhstĂŒck machte ich mich bei Sonnenschein auf den Weg zum DreilĂ€ndereck, dem Beginn bzw. dem Ende des Deutsch-Deutschen Radweges, je nach dem von wo man startet. Das „bikeline Radtourenbuch“ beschreibt die Tour in Nord-SĂŒd Richtung von LĂŒbeck zum DreilĂ€ndereck, aber ich habe mich fĂŒr die umgekehrte Richtung entschieden. Hof ist im Gegensatz zu LĂŒbeck von Frankenberg aus schlecht mit dem Zug erreichbar, deshalb bin ich mit dem Rad angereist. Ab LĂŒbeck bin ich nach nur 2 mal umsteigen in wenigen Stunden zu Hause. Außerdem passt sich das Höhenprofil von SĂŒd nach Nord der kumulierten Belastung an. Die bösen Anstiege enden, wenn der Harz passiert ist. Etwa die letzten 450 km bis LĂŒbeck sind nahezu flach.

Außer 2 Damen vom Hofer Wasserwirtschaftsamt, die Getier aus dem dort verlaufenden Bach fischten und analysierten, war ich der Einzige am DreilĂ€ndereck. Da ich mir vorher schon Bilder angesehen hatte, war die Überraschung nicht mehr ganz so groß. Das Schild mit der Aufschrift „Staatsgrenze“ war nur noch provisorisch besfestigt und drohte komplett umzukippen, als ich versuchte mein Rad fĂŒr ein Foto daran anzulehnen. Schade, dass bei einem Ort mit solch historischer Bedeutung sich niemand verantwortlich fĂŒhlt, dies wieder instandzusetzen.

Nach ein paar Fotos setzte ich meine Reise durchs herrliche und zugleich hĂŒgelige Vogtland entlang des kaum noch erkennbaren „Eisernen Vorhanges“ nach Mödlareuth fort, dem ehemals und auch heute noch geteilten Dorf. Obwohl ich mir auch hiervon bereits Fotos angesehen hatte, war ich emotional ziemlich berĂŒhrt, als ich mir die in Teilen noch original erhaltene Grenzanlage anschaute. Eine ReisefĂŒhrerin erlĂ€uterte in diesem Moment einer jugendlichen Reisegruppe sĂ€mtliche Details der damaligen Nutzung durch die DDR Grenzpolizei. Ich hörte eine Weile zu und bekam fast GĂ€nsehaut.

Unglaublich, dass „(Un)Menschen“ damals – ohne RĂŒcksicht auf die dort lebende Bevölkerung – einfach eine Grenze mitten durch den Ort gezogen und damit Familien und Freunde voneinander getrennt haben.

Direkt gegenĂŒber der Grenzanlage befindet sich eine GaststĂ€tte. Hier gönnte ich mir eine XL Currywurst mit Pommes und fragte die Wirtin, ob sie zu DDR Zeiten in Mödlareuth gelebt habe, um Einzelheiten zu erfahren. Fehlanzeige, zugezogen nach der Wende!

Mit vollem Bauch schwinge ich mich wieder aufs Rad und verlasse diesen bedrĂŒckenden Ort, der auch heute noch geteilt ist. In halb Sachsen, halb Bayern, allerdings mit weniger dramatischen Auswirkungen auf die dort lebenden Menschen. Davon gehe ich zumindest aus!😉

Vom Rest der heutigen Tour ist mir nicht mehr viel in Erinnerung geblieben. Ich musste zwar keine Berge wie im ThĂŒringer Wald erklimmen, dafĂŒr jedoch viele kurze und steile Rampen, die sich zu ordentenlichen Höhenmetern summierten.

Am frĂŒhen Nachmittag fing es an zu regnen. Erst nur Tropfen. Regenklamotten an und wieder aus, weil zu warm. Als es richtig schĂŒttete und ein Gewitter aufzog, suchte und fand ich Zuflucht in einer GaststĂ€tte direkt am Wegesrand. Laut Wetter App war keine Besserung in den nĂ€chsten Stunden zu erwarten. Kurzentschlossen buchte ich mir ein Hotelzimmer in Bad Steben.

Aufgrund der dreitĂ€gigen Anreise zum DreilĂ€ndereck und meinem zu optimistisch geplanten Tagespensum von 150 km pro Tag, ist LĂŒbeck nicht in 10 Tagen erreichbar, außer ich fahre die letzen 400 km als Brevet. Aber morgen geht’s erstmal ohne „Leistungsdruck“ weiter. Wettervorhersage ist eher schlecht, ich bin dennoch optimistisch!

(Fotos verlinke ich, wenn ich wieder zu Hause bin)

75 km / 1.195 HM / 16,4 km/h
Gesamt : 447 km / 6345 Hm

Strava Link

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2 Kommentare bei „4. Etappe „Eiserner Vorhang“ von Hof (Saale) nach Bad Steben“

  1. Hallo Michael, ich verfolge mit Spannung deine Tour. WĂŒnsche dir fĂŒr die nĂ€chsten Tage besseres Wetter und allzeit gute Fahrt.

    1. Vielen Dank Uwe, besseres Wetter wĂ€re wirklich nicht schlecht! Ich hoffe, dass es bei euch in SĂŒdfrankreich besser ist als hier.Genießt die Zeit und erholt Euch gut!

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