Rennsteig und Deutsch-Deutscher Radweg – eine unvergessliche Radreise

Als Ergänzung zu den Blogeinträgen der einzelnen Tagesetappen ist hier noch mal alles rund um meine Radreise zusammengefasst.

21.07.17 – 31.07.17 / 11 Tage / 1.395 km / 13.130 Hm

Einen direkten Link zu all meinen Fotos findet man hier.
(die Fotos sind zusätzlich in den Berichten der Tagesetappen verlinkt)

Wer an einer detaillierten Streckenbeschreibung des „Deutsch-Deutschen Radweges“ mit guter Fotodokumentation interessiert ist, dem empfehle ich diesen Reisebericht im Radreise-Forum und das Radtourenbuch von „bikeline“.

Eigentlich wollte ich nur den Deutsch-Deutschen Radweg radeln und zwar in Süd-Nordrichtung, etwa 1.100 km lang. Aufgrund der sehr umständlichen und zeitraubenden Anreise mit der Bahn bis nach Hof (Saale) hatte ich mich dazu entschieden, von zu Hause aus mit dem Rad zu starten. Zwischen zu Hause und Hof liegt der Rennsteig im Thüringer Wald. Also bot es sich an, beide Strecken miteinander zu kombinieren, in Summe 1.500 km. Schon am zweiten Tag war mir klar, dass 10 Tage für 1.500 km mit dem schweren Rad und den vielen Höhenmetern zu optimistisch geplant waren!

Aber ich hatte genügend Puffer, um ein paar Tage dran zu hängen und auch die Genehmigung dazu von meiner lieben Frau Gemahlin.

Wäre mir bereits bei der Planung bewusst gewesen, dass sich auch die Rückreise von Lübeck per Zug mit dem Rad als sehr schwierig, ja fast als unmöglich gestalten würde, der „Deutsch-Deutsche Radweg hätte mich nicht und ich ihn nicht gesehen. Vermutlich hätte ich mich für eine Rundreise von zu Hause aus entschieden.

Wäre, wenn und hätte, alles ist gut, genau so wie es sich ereignet hat!

Die Grafik zeigt meine tatsächlich gefahrene Route. Im Detail sind die Strecken in den verlinkten Etappen-Berichten zu finden. (Strava Link anklicken). Die „schwarz gestrichelten Linien“ sind die Grenzen zwischen den einzelnen Bundesländern.

Hier erkennt man, dass ich im Norden den ehemaligen „Todessstreifen“ verlassen habe und auf direktem Wege nach Lübeck geradelt bin. Warum? Ganz einfach, ich hatte Heimweh!

Navigation
Ich fahre am liebsten mit Navi und folge einem GPS-Track, dies empfinde ich als entspannter. Ich kann die Landschaft genießen und muss nicht ständig auf die Karte schauen. Die beiden Navis (ja, ich hatte 2 Stück an Bord, einen Garmin Edge 1000 und einen Garmin GPSmap 64s) habe ich über den Nabendynamo und das Busch & Müller E-Werk unterwegs geladen.

Der „bikeline“ GPS-Track ist nicht mehr aktuell. So manches Mal hätte ich durch Maisfelder, durch Häuser oder Gärten fahren müssen, um dem Track 1:1 zu folgen. Dennoch, dass Radtourenbuch ist ansonsten sehr gut. Neben detaillierten Kartenausschnitten und Streckenbeschreibungen sind viele Information rund um den Radweg enthalten.

Übernachtung
Es war eine sehr weise Entscheidung mir etwas Luxus zu gönnen und das Zelt zu Hause zu lassen! Meist habe ich mir am frühen Nachmittag überlegt wie weit ich noch fahren möchte und über Booking.com ein Hotel in der Umgebung gebucht. Das hat sehr gut geklappt und würde ich immer wieder so handhaben. Bei einer so langen Radtour macht es meines Erachtens keinen Sinn, Unterkünfte im Vorfeld zu buchen. Man weiß nicht genau wie weit man kommt und es kann immer etwas dazwischen kommen.

Fahrrad und Technik
Das Sequoia war ein absolut zuverlässiger und für die Strecke sehr gut geeigneter Begleiter. Ich hatte keine einzige Panne und hätte theoretisch sämtliches Werkzeug sowie die 3 Schläuche und den Ersatzmantel zu Hause lassen können. Dennoch, ich würde immer wieder alles mitnehmen. Ok, vielleicht nur 2 Schläuche und nur eine Luftpumpe. Aber gut, dass ich Öl an Bord hatte, denn durch den Regen und die vielen Kilometer verlangte die Kette mehrmals nach Schmierung. Es gab nur sehr wenige Passagen, die mit einem MTB besser fahrbar gewesen wären.

Sitzfleisch, Hände, Rücken, Beine …
Die Tüftelei im Vorfeld während der Brevets bzgl Sattel, Sitzposition, Sitzcreme, Radhose und Radhandschuhe hat sich definitiv gelohnt. Ich hatte absolut Null Probleme und konnte voll und ganz das Pedalieren durch herrliche und abwechslungsreiche Landschaften genießen! Erstaunlicherweise waren auch die Beine jeden Morgen wieder frisch, fast so wie am ersten Tag.

Ernährung
Morgens habe ich im Hotel ganz normal gefrühstückt, 2 Brötchen mit Wurst, Käse, Marmelade, dazu ein Ei, Kaffee. Für unterwegs habe ich mir meistens 2 belegte Brötchen, ein Ei, einen Apfel und ca 2 Liter Wasser mitgenommen. Damit bin ich gut zurechtgekommen. Manchmal bin ich auch unterwegs eingekehrt, wenn was passendes auf dem Weg lag. So nach 3-4 Std. Fahrt kriege ich in der Regel Hunger, bedeutete ein Pause gegen Mittag und eine weitere am späten Nachmittag. Abends habe ich im Hotel warm gegessen. Insgesamt hatte ich offensichtlich ein Kaloriendefizit, denn ich habe fast 3 kg abgenommen.

Bekleidung
Ich bin grundsätzlich in enganliegender Radbekleidung gefahren. Schlabbershorts in Kombination mit gepolsterter Radunterhose sind nicht mein Ding. Beides hatte ich überflüssigerweise mitgenommen. Kurze gepolsterte Radhose, Knielinge, Armlinge, Kompressionsstulpen, kurzes Radtrickot, Baselayer, Windweste, Regenjacke, Regenhose lang, Regenüberschuhe, Strümpfe und MTB-Radschuhe mit SPD Cleats kamen regelmäßig zum Einsatz.

Als Freizeit-/Schlafbekleiung genügten mir ein lange Trekkinghose, 3 Merino Oberteile, 3 Unterhosen und leichte Turnschuhe. Dank Rei in der Tube hielten sich – glaube ich zumindest – meine Ausdünstungen bzw die meiner Klamotten in tolerierbarem Rahmen.

Was wirklich überflüssig war bzw nicht zum Einsatz kam
Werkzeug, Flickzeug, 3 Ersatzschläuche, 1 Ersatzmantel, Schaltzug, Erste Hilfe Set, Rettungsdecke, Mehrfachsteckdose, Powerbank, diverse Ersatzladekabel inkl Netzteile, Biwaksack, Hüttenschlafsack, Ersatzbatterien, Helmlampe, Ersatzluftpumpe, Ersatzhandy, Diktiergerät, Isolierband, Kabelbinder, Tape, Luftdruckmesser, Ersatzkurzarmtrickot, Ersatzbaselayer, 2 Radunterhosen, Radtrekkinghose, Mikrofaserhandtuch, Waschlappen, Ersatzbrille und diverser Kleinkram

Fazit
Es war – mit wenigen Abstrichen (Regentage) – eine sehr schöne Radreise durch – in vielerlei Hinsicht – unterschiedliche Regionen Deutschlands. Die Gedenkstätten und Überbleibsel am ehemaligen „Todesstreifen“ haben mich emotional berührt und nachdenklich gemacht. Leider hatte ich zu wenig Zeit eingeplant, um hier und dort länger zu verweilen und Gedenktafeln zu studieren bzw Museen zu besichtigen.

Dass ich allein gereist bin, hat mir maximale Fleixibilität verschafft, manchmal allerdings auch ein wenig Einsamkeit. Es ist nicht auszuschließen, dass ich ohne die aufmunternden Telefonate mit meiner Familie nach dem dritten Regentag hintereinander nicht bis nach Lübeck, sondern auf direktem Weg nach Hause gefahren wäre.

Mit der Radreise beschließe ich meine Langstreckensaison 2017 und verzichte auf den geplanten Start beim 600 km Brevet in Boekelo am 26.08.17. Die nächsten Wochen/Monate möchte ich ohne feste Termine/Events das machen, worauf ich gerade Lust habe.

Die einzelnen Etappen mit Bildern und meinen Eindrücken / Erlebnissen vom jeweiligen Tag:

Übrigens habe ich die einzelnen Berichte nicht – wie teilweise angekündigt – ergänzt, sondern nur Fotos hinzugefügt.

1. Etappe von Frankenberg nach Eisenach

2. Etappe von Eisenach nach Neustadt (Rennsteig)

3. Etappe von Neustadt (Rennsteig) nach Hof (Saale)

4. Etappe von Hof (Saale) nach Bad Steben

5. Etappe von Bad Steben nach Eisfeld

6. Etappe von Eisfeld nach Bad Königshofen

7. Etappe von Bad Königshofen nach Heringen

8. Etappe von Bad Heringen nach Nesselröden

9. Etappe von Nesselröden nach Ilsenburg (Harz)

10. Etappe von Ilsenburgen nach Wittingen

11. Etappe von Wittingen nach Lübeck

Tourplanung

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9 Kommentare

  1. Hallo Michael, vielen Dank für Deine Mühen und das Du Außenstehende an dem Erlebnis teilhaben lässt. Eine tolle Tour und eine erstklassige Berichterstattung. Besonderen Dank für das Fazit hinsichtlich dem Einsatz des Sequoia :-).
    Besten Gruß, Stefan

    1. Vielen Dank, und falls du dich für das Sequoia entscheidest, viel Spaß damit! 🙂

  2. War auf alle Fälle spannend, Dich die 11 Tage virtuell zu begleiten. Musste tagsüber immer wieder in den Live Track schauen, um zu sehen, bis wohin Du es schon geschafft hattest.
    Aus sportlicher Sicht war es jedenfalls eine herausfordernde Tour. Meinen Respekt dafür.
    Für mich wäre sie jedenfalls zu sportlich gewesen. Ich hätte mir sicherlich mehr Zeit gelassen und die Tagesetappen nicht > 100 km gemacht. Nicht nur aus konditionellen Gründen, sondern auch, um mehr Eindrücke von der Gegend zu sammeln, sich hier und da was anzuschauen und einfach nur zu genießen (wobei das natürlich an den 3 Dauerregentagen natürlich auch nichts gewesen wäre).
    Bin gespannt, wo es Dich beim nächsten Mal mit dem Sequoia hinführen wird.

    1. Vielen Dank Frank! Du hast recht, um sich in Ruhe etwas anzuschauen, sollte man definitiv weniger Tageskilometer einplanen. Bei mir kam doch immer wieder der sportliche Ehrgeiz durch und wenn ich es ganz nüchtern betrachte, stand mit der Anfahrt über den Rennsteig die sportliche Herausforderung von Anfang an im Vordergrund. Irgendwann werde ich sicher auch nochmal eine Genusstour unternehmen, am besten mit jemandem, der mich entsprechend bremst. Aber das hat noch Zeit! 😉

  3. Die Frage ist, inwieweit Du Dich überhaupt bremsen lässt. 😉 Vielleicht nur von Deiner Frau.

    1. Genau an die dachte ich!🤓

  4. kopfundkoerper sagt: Antworten

    Wenn ich groß bin, will ich auch mal so viel Rad-Ausdauer haben wie du. Ganz feine Sache, Imi! Das Mitfiebern hat richtig Spaß gemacht.

  5. Klasse Aktion! Glückwunsch, dass du dich bei dem teilweisen Sauwetter durchgebissen hast, und danke für den schick bebilderten Bericht, hat Spaß gemacht zu lesen!

    1. Vielen Dank Christian, auch dafür, dass du mir die das 300er Brevet erstattet hast. VG Michael

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